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10 Min. Lesezeit·Zuletzt aktualisiert: 2026-05-29·Physiotherapeuten · Personal Trainer · Wellness-Fachleute

Finanzleitfaden für selbständige Physiotherapeuten und Personal Trainer

Einzelfirmen-Status, Erfassung von Sitzungs- und Paketumsätzen, Abzug von Praxis- und Gerätekosten, MWST, AHV-Beiträge, Berufshaftpflicht und Steuererklärung — alles für regelkonformes Arbeiten in der Schweiz.

Selbständige Praxis im Gesundheits- und Fitnessbereich

In der Schweiz gelten anerkannte Physiotherapeuten und Personal Trainer, die selbständig arbeiten (eigene Praxis, Hausbesuche, Mietplatz im Fitnessstudio, Online-Coaching), fast immer als Selbständige — Einzelfirmen — nicht als Angestellte von Kunden oder Studio, ausser bei echtem Arbeitsvertrag.

Das bedeutet ordentliche Buchhaltung, korrekte Fakturierung, Umsatzdeklaration, AHV/IV/EO-Beiträge auf Nettoeinkommen und über Schwellen MWST-Anmeldung und Handelsregistereintrag. Bargeld oder Buchungs-Apps ersetzen keine Rechnungen, Buchungen noch Steuererklärung.

Dieser Leitfaden deckt ab, was Physiotherapeuten und Personal Trainer in der Schweiz brauchen: Rechtsstatus, Umsatzarten (inkl. Versicherungsrückerstattung Physio), abziehbare Aufwendungen, MWST und AHV, obligatorische und empfohlene Versicherungen, Jahresabschluss ohne Überraschungen.

Umsatz: Sitzungen, Pakete und Versicherungsrückerstattung

Umsatz ist bei Leistung oder Fakturierung zu erfassen, nicht nur bei Zahlungseingang:

Einzelsitzungen und Pakete

Jede Sitzung oder jedes Paket (5, 10, 20 Sitzungen) ist Umsatz. Auch Vorauszahlungen: Umsatz bei Leistung oder nach gewählter Methode (Vorauszahlungen = Verbindlichkeit bis Erbringung).

Physiotherapie mit ärztlicher Verordnung (LAMal/KVG)

Von der obligatorischen Krankenversicherung erstattete Leistungen: Rechnung mit Tarmed-Codes (Tarif 590). Umsatz = fakturierter Betrag (Patienten- + Kassenanteil). Verordnungen und Behandlungsnachweise aufbewahren.

Studiomiete und Firmenkunden

Monatliche Studiogebühr, Gruppenkurse, Corporate-Wellness-Verträge: alles Umsatz. Hält das Studio Provision ein: Bruttoumsatz und Provision als separater Aufwand.

Online-Coaching und Abos

Ernährungspläne, digitale Trainingsprogramme, Monatsabos: steuerpflichtiger Umsatz. Ausländische Kunden: MWST-Pflicht prüfen (digitale B2C-Leistungen EU über Schwellen).

Praktische Regel: Rechnung (oder Beleg mit UID bei MWST-pflichtig) für jede Leistung oder jedes Paket. Twint und Bargeld trotzdem mit Datum, Kunde und Betrag buchen.

Abziehbare Aufwendungen: Praxis, Geräte, Weiterbildung

Streng berufsbezogene Kosten senken den steuerbaren Gewinn:

AufwandartAbzugHinweise
Praxismiete / Studioplatz100 % bei ausschliesslich beruflicher NutzungPrivatanteil bei Mischung ausschliessen
Geräte (Tisch, Gewichte, Bänder, TENS)Abschreibung wenn > CHF 1'000, sonst AufwandKaufrechnungen aufbewahren
Weiterbildung und Kongresse100 % wenn berufsbezogenPflicht- oder Fortbildungskurse
Berufshaftpflichtversicherung100 % abziehbarFür Physio und Trainer dringend empfohlen
Marketing, Website, Buchungssoftware100 % wenn für die TätigkeitAbitex, Momenteo, Calendly, etc.
Kilometer zu Patienten / KundenCHF 0,70/km oder effektive AutokostenFahrtenbuch oder Kilometer-App

Keine privaten Fitness-Abo, Nahrungsergänzung oder Alltags-Sportkleidung als Berufskosten abziehen — die Steuerbehörde bestreitet das oft.

MWST, AHV und Schwellen

Zwei Pflichten ab dem ersten Geschäftsjahr im Blick behalten:

MWST (Schwelle CHF 100'000)

Globaler Umsatz aus Tätigkeit > CHF 100'000 → obligatorische ESTV-Anmeldung. Anerkannte medizinische Physiotherapie kann in bestimmten Fällen MWST-befreit sein; mit Treuhänder klären. Personal Training und Coaching i.d.R. steuerpflichtig.

MWST-Satz und Fakturierung

Normalsatz 8,1 % auf steuerpflichtige Leistungen. Rechnung mit UID, QR-Rechnung für Schweizer Kunden. Bei MWST-Pflicht Vorsteuerabzug auf Berufseinkäufe.

AHV-Beiträge auf Nettoeinkommen

Jährliche Einkommensmeldung an die Kasse. Schwankendes Einkommen: Akontozahlungen auf Schätzung möglich; Ausgleich am Jahresende.

Säule 3 und Krankenversicherung

Säule-3a-Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abziehbar. LAMal (Krankenversicherung) obligatorisch und privat — kein Geschäftsabzug.

MWST-Anmeldung vor CHF 100'000 kann lohnen bei Geräte- und Praxisinvestitionen mit abziehbarer Vorsteuer.

Vereinfachte Buchhaltung und Fakturierung

Für die meisten Physio und Trainer mit Umsatz unter CHF 500'000 reicht vereinfachte Buchhaltung:

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung

Umsatz nach Art (Sitzungen, Pakete, Versicherung, Studio) und Kosten nach Kategorie. Digitale Belege 10 Jahre aufbewahren.

Dediziertes Konto und Trennung

Geschäftskonto getrennt vom Privatkonto. Twint, Bargeld und Überweisungen über Geschäftskonto; Privatentnahmen als «Unternehmerentnahme».

Versicherungsfakturierung (Physiotherapie)

Zertifizierte Software (MediData, curaMED, etc.) für Tarmed-Übermittlung. Monatlich Kassen- und Patientenzahlungen abstimmen.

Jahresabschluss

Reingewinn → Selbständigenergänzung in kantonaler Erklärung. Umsatzübersicht, Spesenliste, Weiterbildungs- und Versicherungsbelege beilegen.

AccountEX hilft bei Kategorisierung von Sitzungen und Paketen, MWST, Spesen-OCR und Berichten für die Steuererklärung — für Wellness-Selbständige.

Versicherungen: Haftpflicht, Unfälle und Deckungen

Neben persönlicher LAMal diese Deckungen für Ihre Tätigkeit prüfen:

Berufshaftpflicht

Deckt Kundenschäden durch Berufsfehler oder Verletzung während der Sitzung. Essentiell für Physio und Trainer; abziehbare Kosten. Ausschlüsse prüfen (Extremsport, nicht gemeldete Erkrankungen).

Unfallversicherung (UVG)

Angestellt im Studio: UVG vom Arbeitgeber. Nur selbständig ohne Personal: private/individuelle Unfallversicherung erwägen — nicht mit LAMal verwechseln.

Geräte- und Räumlichkeiten-Deckung

Schäden an Räumen, Gerätediebstahl: optionale Inhalts-/Gebäudepolice. Sinnvoll bei teuren Geräten.

Erwerbsausfall

Bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit deckt entgangenen Verdienst. Relevant ohne andere Einkommensquellen.

Eine Kundenverletzung beim Training ohne Berufshaftpflicht kann Zehntausende Franken persönlichen Schadenersatz bedeuten.

Steuererklärung: Checkliste

Am Jahresende das Dossier für die kantonale Erklärung vorbereiten:

Umsatzübersicht nach Quelle

Tabelle: private Sitzungen, Versicherung, Studio, online, sonstiges. Total = Umsatz in der Buchhaltung.

Dokumentierte Berufsauslagen

Praxismiete, Geräte, Weiterbildung, Haftpflicht, Software, km, Marketing. Keine vermischten Privatausgaben.

AHV- und Säule-3-Beiträge

Zahlungsbestätigungen AHV und Säule-3a-Auszug beilegen oder in Formularen erfassen.

Eventuelle Mitarbeitende

Bei Sekretariat oder weiterem Trainer: Lohn, Sozialbeiträge, Quellensteuer falls anwendbar.

Umsatz > CHF 100'000, komplexe Versicherungsabrechnung oder mehrere Standorte: Treuhänder mit Gesundheits-/Sport-Erfahrung.

Empfohlene Tools

Minimaler Stack für Kunden und Zahlen ohne Zeitverlust:

Buchungen und Kalender

Abitex, Momenteo, Calenso oder gleichwertig für Termine, Erinnerungen und Sitzungshistorie.

Fakturierung und Tarmed (Physiotherapie)

Zertifizierte Software für Versicherungsrechnungen; QR-Rechnung für private Schweizer Kunden.

Buchhaltung und MWST

AccountEX für Umsatz, Aufwand, Quartals-MWST und Jahresberichte.

Dokumentenarchiv

10 Jahre digitale Aufbewahrung: Rechnungen, Verordnungen, Studioverträge, Policen.

Praktische Tipps

  • Firma eröffnen und AHV anmelden vor dem ersten zahlenden Kunden — nicht nach Monaten nicht deklariertem Umsatz
  • Immer Rechnung oder gleichwertiges Dokument, auch bei kleinen Beträgen und Twint
  • Geschäfts- und Privatkonto vom ersten Tag trennen
  • Bei Physiotherapie Verordnungen und Tarmed-Unterlagen aufbewahren — bei Versicherungs- oder Steuerprüfung nötig
  • Berufshaftpflicht nicht unterschätzen: ein Vorfall kann Jahre Umsatz übersteigen
  • Kumulierten Umsatz Richtung CHF 100'000 beobachten, um nicht unvorbereitet bei MWST zu stehen
  • AccountEX für Sitzungen, Pakete und Steuerberichte — weniger Excel, mehr Zeit mit Kunden

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