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10 Min. Lesezeit·Zuletzt aktualisiert: 2026-05-29·Uber-Fahrer · Kuriere · Gig economy

Der Buchhaltungsleitfaden für Uber-Fahrer und Kuriere in der Schweiz

Selbständigenstatus, Erfassung der Plattformeinnahmen, Abzug Auto- und Telefonkosten, MWST, AHV-Beiträge und Steuererklärung — alles für regelkonformes Fahren und Liefern in der Schweiz.

Fahren oder liefern: selbständig, nicht angestellt

In der Schweiz gilt wer für Uber, Bolt fährt oder für Uber Eats, Just Eat, Deliveroo liefert in fast allen Fällen als Selbständiger (Einzelfirma), nicht als Arbeitnehmer der Plattform. Uber und andere Betreiber sind keine Arbeitgeber im Sinne des Schweizer Arbeitsrechts.

Sie müssen ordentliche Bücher führen, Einkommen bei der Steuerbehörde deklarieren, AHV/IV/EO-Beiträge auf Nettoeinkommen zahlen und — bei Überschreitung der Schwellen — sich für MWST und Handelsregister anmelden. Monatliche App-Berichte ersetzen keine Buchhaltung oder Steuererklärung.

Dieser Leitfaden richtet sich an Einsteiger und aktive Fahrer/Kuriere in der Schweiz, die verstehen wollen, wie Einnahmen und Ausgaben erfasst werden, welche Kosten abzugsfähig sind und wie das Jahr ohne Überraschungen abgeschlossen wird.

Plattformeinnahmen: was erfassen

Uber, Bolt, Uber Eats zahlen periodisch aus. In der Buchhaltung Bruttoumsatz erfassen, nicht nur Nettogutschrift:

Brutto vs Netto

Umsatz = Gesamtfahrten vor Plattformprovision. Uber/Bolt-Gebühren = separater Berufskosten.

Trinkgelder und Boni

Kundentrinkgeld, Peak-Boni, Quests, Referrals = Einnahmen des Zahlungsjahrs.

Bargeld (Kuriere)

Bargeld bei Lieferung: Behandlung vertragsabhängig. Tägliche App-Berichte aufbewahren.

Plattformberichte exportieren

Monatlich tax summary / earning reports von Uber Driver, Uber Eats, Bolt. 10 Jahre archivieren.

Regel: pro Zahlungsperiode «Fahrteinnahmen CHF X» und «Plattformprovision CHF Y» getrennt buchen.

Abzugsfähige Ausgaben: Auto, Telefon und mehr

Hauptsteuervorteil: Berufskosten abziehen:

AusgabenartAbzugsmethodeHinweise
BerufskilometerPauschale CHF 0,70/km oder EffektivkostenNur Arbeits-km; Logbuch oder App-Berichte
Treibstoff, Wartung, AutoversicherungBerufsanteil %Nur bei Effektivkosten
Plattformprovisionen100 % abzugsfähigVon Auszahlung einbehaltene Gebühren
Telefon und Mobile DatenBerufsanteil (z. B. 50–80 %)Kriterium dokumentieren
Thermotaschen, Jacken, Kurierausrüstung100 % bei ausschliesslich beruflicher NutzungAbschreiben wenn > CHF 1'000
Berufshaftpflicht / Rechtsschutz100 % abzugsfähigFür Fahrer empfohlen

Nicht 100 % Auto bei Privatnutzung. Km-Pauschale oft einfacher als Effektivkosten.

MWST und AHV-Beiträge

Zwei Pflichten, die viele Neulinge verwirren:

MWST: Schwelle CHF 100'000

Jahresumsatz > CHF 100'000: MWST-Anmeldung ESTV. Die meisten Teilzeitfahrer bleiben darunter.

MWST-befreite Leistungen

Personentransport kann befreit sein. Essenslieferung: anders. Bei Unsicherheit ESTV oder Treuhänder.

AHV auf Nettoeinkommen

Beispiel: CHF 60'000 Einnahmen, CHF 18'000 Kosten → Basis CHF 42'000, ~10,6 % ≈ CHF 4'450.

Rückstellungen empfohlen

25–35 % Bruttoeinnahmen für Steuern, AHV und eventuelle MWST beiseite legen.

Uber zahlt keine AHV für Sie. Bescheid der Ausgleichskasse nicht ignorieren.

Vereinfachte Buchführung: die häufigste Methode

Unter CHF 500'000 Umsatz: vereinfachte Buchführung (Einnahmen-Ausgaben):

Einnahmen-Ausgaben-Register

Jede Plattformgutschrift = Einnahme. Jede Berufsausgabe = Ausgabe mit Beleg.

Eigenes Geschäftskonto

Nur für die Tätigkeit. Alle Uber-Zahlungen und Autokosten darüber.

Kilometerbuch

Km Schichtbeginn/-ende oder App-Berichte. Pauschale: km × CHF 0,70.

Vermögensübersicht Jahresende

Betriebsvermögen (Telefon, Taschen) mit Restwert.

Über CHF 500'000: doppelte Buchführung ab Folgejahr.

Plattformberichte vs Buchhaltung

Uber-Berichte sind nicht Ihre Buchhaltung, müssen aber übereinstimmen:

Monatliche Abstimmung

Earning report mit summierten Einnahmen + Provisionen als Ausgabe vergleichen.

Korrekturen und Stornos

Nachzahlungskorrekturen in späteren Berichten. Buchung im Jahr der Kontobewegung.

Mehrere Plattformen

Uber + Bolt: eine Buchhaltung, ein selbständiges Einkommen in der Erklärung.

Automatisierung AccountEX

Kontoauszüge importieren, «Uber-Einnahmen», «Provision», «Treibstoff» kategorisieren.

Steuererklärung und Jahresabschluss

Februar–April: kantonale Steuererklärung mit Selbständigen-Ergänzung:

Ergänzungsblatt Selbständige

Nettogewinn (Einnahmen − Kosten). Register, km-Zusammenfassung, Plattformberichte, Belege.

Persönliche Abzüge

Schuldzinsen, Krankenkasse, Säule 3a — in persönlicher Erklärung.

Steuerakontos und Nachzahlungen

Kanton kann Quartalsakontos verlangen. AHV rechnet auf Schätzung ab.

Fehler vermeiden

Nicht nur Netto deklarieren. Trinkgelder nicht vergessen. Keine Privatausgaben abziehen.

Gewinn > CHF 50'000–60'000: Treuhänder für erste Erklärung erwägen.

Digitale Tools für Fahrer und Kuriere

Excel und Screenshots werden schnell unübersichtlich:

Km-Tracking-Apps

TripLog, Driversnote oder Uber-Berichte. Monatlich CSV exportieren.

Getrennte Konten und Beleg-OCR

Geschäftskonto + Tank-, Parkbelege scannen.

AccountEX für Gig Worker

Vereinfachte Buchführung, Bank, Jahresberichte für Steuererklärung und AHV.

Wann Treuhänder

Mehrere Plattformen, MWST-Schwelle, Statusstreit, Gewinn > CHF 80'000.

Praktische Tipps für Uber und Kuriere

  • Sofort Geschäftskonto und AHV-Anmeldung — nicht auf Steuerbescheid warten
  • Uber/Bolt-Berichte monatlich herunterladen und aufbewahren
  • Km-Pauschale CHF 0,70 für Einfachheit
  • 30 % Bruttoeinnahmen für Steuern und AHV zurücklegen
  • Plattformprovision als separater Kostenposten
  • Auch angestellt: eine Erklärung, getrennte Buchführung der Tätigkeiten
  • AccountEX: Bankimport, km, Jahreszusammenfassung für Steuererklärung und AHV

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