Fahren oder liefern: selbständig, nicht angestellt
In der Schweiz gilt wer für Uber, Bolt fährt oder für Uber Eats, Just Eat, Deliveroo liefert in fast allen Fällen als Selbständiger (Einzelfirma), nicht als Arbeitnehmer der Plattform. Uber und andere Betreiber sind keine Arbeitgeber im Sinne des Schweizer Arbeitsrechts.
Sie müssen ordentliche Bücher führen, Einkommen bei der Steuerbehörde deklarieren, AHV/IV/EO-Beiträge auf Nettoeinkommen zahlen und — bei Überschreitung der Schwellen — sich für MWST und Handelsregister anmelden. Monatliche App-Berichte ersetzen keine Buchhaltung oder Steuererklärung.
Dieser Leitfaden richtet sich an Einsteiger und aktive Fahrer/Kuriere in der Schweiz, die verstehen wollen, wie Einnahmen und Ausgaben erfasst werden, welche Kosten abzugsfähig sind und wie das Jahr ohne Überraschungen abgeschlossen wird.
Rechtlicher Status: Selbständiger, Einzelfirma und AHV
Bevor Sie die App öffnen und verdienen, klären Sie Ihren rechtlichen und sozialversicherungsrechtlichen Status:
Selbständig, kein Uber-Arbeitnehmer
Plattformen zahlen für Leistungen (Fahrten, Lieferungen), nicht nach Arbeitsvertrag. Kein bezahlter Urlaub, keine Arbeitgeberbeiträge. Sie zahlen AHV, verwalten Steuern und führen die Bücher.
Einzelfirma und Handelsregister
Typischerweise als Einzelfirma tätig. Jahresumsatz über CHF 100'000: Eintragung ins Handelsregister Pflicht.
AHV-Anmeldung als Selbständiger
Anmeldung bei der Ausgleichskasse des Kantons. Beiträge auf Nettoeinkommen (Einnahmen − Berufskosten), Satz bis ~10,6 %.
Risiko Umqualifizierung als Arbeitnehmer
Exklusiv für eine Plattform, vorgegebene Zeiten: Ausgleichskasse kann Selbständigenstatus anfechten. Organisatorische Freiheit und eigene Kosten dokumentieren.
Achtung: «Uber-Partner sein» befreit nicht von Steuer- und Sozialversicherungspflichten. Viele zahlen am Jahresende Tausende Nachforderungen.
Plattformeinnahmen: was erfassen
Uber, Bolt, Uber Eats zahlen periodisch aus. In der Buchhaltung Bruttoumsatz erfassen, nicht nur Nettogutschrift:
Brutto vs Netto
Umsatz = Gesamtfahrten vor Plattformprovision. Uber/Bolt-Gebühren = separater Berufskosten.
Trinkgelder und Boni
Kundentrinkgeld, Peak-Boni, Quests, Referrals = Einnahmen des Zahlungsjahrs.
Bargeld (Kuriere)
Bargeld bei Lieferung: Behandlung vertragsabhängig. Tägliche App-Berichte aufbewahren.
Plattformberichte exportieren
Monatlich tax summary / earning reports von Uber Driver, Uber Eats, Bolt. 10 Jahre archivieren.
Regel: pro Zahlungsperiode «Fahrteinnahmen CHF X» und «Plattformprovision CHF Y» getrennt buchen.
Abzugsfähige Ausgaben: Auto, Telefon und mehr
Hauptsteuervorteil: Berufskosten abziehen:
| Ausgabenart | Abzugsmethode | Hinweise |
|---|---|---|
| Berufskilometer | Pauschale CHF 0,70/km oder Effektivkosten | Nur Arbeits-km; Logbuch oder App-Berichte |
| Treibstoff, Wartung, Autoversicherung | Berufsanteil % | Nur bei Effektivkosten |
| Plattformprovisionen | 100 % abzugsfähig | Von Auszahlung einbehaltene Gebühren |
| Telefon und Mobile Daten | Berufsanteil (z. B. 50–80 %) | Kriterium dokumentieren |
| Thermotaschen, Jacken, Kurierausrüstung | 100 % bei ausschliesslich beruflicher Nutzung | Abschreiben wenn > CHF 1'000 |
| Berufshaftpflicht / Rechtsschutz | 100 % abzugsfähig | Für Fahrer empfohlen |
Nicht 100 % Auto bei Privatnutzung. Km-Pauschale oft einfacher als Effektivkosten.
MWST und AHV-Beiträge
Zwei Pflichten, die viele Neulinge verwirren:
MWST: Schwelle CHF 100'000
Jahresumsatz > CHF 100'000: MWST-Anmeldung ESTV. Die meisten Teilzeitfahrer bleiben darunter.
MWST-befreite Leistungen
Personentransport kann befreit sein. Essenslieferung: anders. Bei Unsicherheit ESTV oder Treuhänder.
AHV auf Nettoeinkommen
Beispiel: CHF 60'000 Einnahmen, CHF 18'000 Kosten → Basis CHF 42'000, ~10,6 % ≈ CHF 4'450.
Rückstellungen empfohlen
25–35 % Bruttoeinnahmen für Steuern, AHV und eventuelle MWST beiseite legen.
Uber zahlt keine AHV für Sie. Bescheid der Ausgleichskasse nicht ignorieren.
Vereinfachte Buchführung: die häufigste Methode
Unter CHF 500'000 Umsatz: vereinfachte Buchführung (Einnahmen-Ausgaben):
Einnahmen-Ausgaben-Register
Jede Plattformgutschrift = Einnahme. Jede Berufsausgabe = Ausgabe mit Beleg.
Eigenes Geschäftskonto
Nur für die Tätigkeit. Alle Uber-Zahlungen und Autokosten darüber.
Kilometerbuch
Km Schichtbeginn/-ende oder App-Berichte. Pauschale: km × CHF 0,70.
Vermögensübersicht Jahresende
Betriebsvermögen (Telefon, Taschen) mit Restwert.
Über CHF 500'000: doppelte Buchführung ab Folgejahr.
Plattformberichte vs Buchhaltung
Uber-Berichte sind nicht Ihre Buchhaltung, müssen aber übereinstimmen:
Monatliche Abstimmung
Earning report mit summierten Einnahmen + Provisionen als Ausgabe vergleichen.
Korrekturen und Stornos
Nachzahlungskorrekturen in späteren Berichten. Buchung im Jahr der Kontobewegung.
Mehrere Plattformen
Uber + Bolt: eine Buchhaltung, ein selbständiges Einkommen in der Erklärung.
Automatisierung AccountEX
Kontoauszüge importieren, «Uber-Einnahmen», «Provision», «Treibstoff» kategorisieren.
Steuererklärung und Jahresabschluss
Februar–April: kantonale Steuererklärung mit Selbständigen-Ergänzung:
Ergänzungsblatt Selbständige
Nettogewinn (Einnahmen − Kosten). Register, km-Zusammenfassung, Plattformberichte, Belege.
Persönliche Abzüge
Schuldzinsen, Krankenkasse, Säule 3a — in persönlicher Erklärung.
Steuerakontos und Nachzahlungen
Kanton kann Quartalsakontos verlangen. AHV rechnet auf Schätzung ab.
Fehler vermeiden
Nicht nur Netto deklarieren. Trinkgelder nicht vergessen. Keine Privatausgaben abziehen.
Gewinn > CHF 50'000–60'000: Treuhänder für erste Erklärung erwägen.
Digitale Tools für Fahrer und Kuriere
Excel und Screenshots werden schnell unübersichtlich:
Km-Tracking-Apps
TripLog, Driversnote oder Uber-Berichte. Monatlich CSV exportieren.
Getrennte Konten und Beleg-OCR
Geschäftskonto + Tank-, Parkbelege scannen.
AccountEX für Gig Worker
Vereinfachte Buchführung, Bank, Jahresberichte für Steuererklärung und AHV.
Wann Treuhänder
Mehrere Plattformen, MWST-Schwelle, Statusstreit, Gewinn > CHF 80'000.
Praktische Tipps für Uber und Kuriere
- Sofort Geschäftskonto und AHV-Anmeldung — nicht auf Steuerbescheid warten
- Uber/Bolt-Berichte monatlich herunterladen und aufbewahren
- Km-Pauschale CHF 0,70 für Einfachheit
- 30 % Bruttoeinnahmen für Steuern und AHV zurücklegen
- Plattformprovision als separater Kostenposten
- Auch angestellt: eine Erklärung, getrennte Buchführung der Tätigkeiten
- AccountEX: Bankimport, km, Jahreszusammenfassung für Steuererklärung und AHV
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