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10 Min. Lesezeit·Zuletzt aktualisiert: 2026-04-15·E-Commerce · SaaS · Digitale Freiberufler

Stripe, PayPal und Twint: Zahlungsabwickler richtig verbuchen

Gebühren, Nettoauszahlungen, Rückbuchungen, Währungsumrechnungen und MWST-Behandlung: der vollständige Leitfaden zur korrekten Verbuchung jeder Zahlungsabwickler-Transaktion in Ihrer Schweizer Buchhaltung.

Warum die Buchhaltung von Zahlungsabwicklern komplex ist

Wenn Sie online über E-Commerce verkaufen, ein SaaS-Produkt anbieten oder als digitaler Freiberufler arbeiten, kassieren Sie wahrscheinlich über Stripe, PayPal oder Twint. Diese Abwickler überweisen das Geld nicht einfach vom Kunden auf Ihr Konto: Sie behalten Gebühren ein, bündeln Gelder, wenden Wechselkurse an und können Zahlungen Wochen nach dem Eingang stornieren. Jeder Schritt erzeugt eine eigene Buchung, die korrekt erfasst werden muss.

Die Hauptschwierigkeit liegt im Unterschied zwischen dem Bruttobetrag, den der Kunde zahlt, und dem Nettobetrag, der auf dem Bankkonto eingeht. Die Gebühren (Fees) sind kein einfacher Rabatt auf den Preis: Es handelt sich um Kosten für Finanzdienstleistungen, die separat verbucht werden müssen. Zudem variieren die Auszahlungsfristen (Payouts) zwischen 2 und 7 Arbeitstagen, was zu Abweichungen zwischen erfassten Einnahmen und Bankbewegungen führt.

In der Schweiz folgt die MWST-Behandlung der Gebühren von Zahlungsabwicklern spezifischen Regeln (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 MWSTG), und Transaktionen in Fremdwährungen erfordern die Erfassung von Kursdifferenzen. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie jeden Aspekt in Ihrer Buchhaltung handhaben.

So funktionieren Zahlungsabwickler

Bevor Sie eine Transaktion verbuchen, ist es wichtig, den Geldfluss zu verstehen, der entsteht, wenn ein Kunde über einen Abwickler bezahlt. Hier die 5 wichtigsten Schritte:

1

Der Kunde bezahlt

Der Kunde schliesst die Zahlung per Kreditkarte, Twint oder PayPal ab. Der Bruttobetrag (z. B. CHF 100.00) wird dem Kunden belastet. Zu diesem Zeitpunkt ist der Ertrag verdient, aber die Gelder sind noch nicht auf Ihrem Konto.

2

Der Abwickler kassiert und hält zurück

Stripe, PayPal oder Twint empfangen die Gelder und halten sie auf einem internen Durchlaufkonto (Escrow). Der Betrag ist im Dashboard des Abwicklers sichtbar, aber noch nicht zur Auszahlung verfügbar.

3

Gebührenabzug

Der Abwickler zieht seine Gebühren vom Bruttobetrag ab. Beispielsweise behält Stripe 2,9 % + CHF 0.30 pro europäischer Kartentransaktion ein. Bei CHF 100.00 beträgt die Gebühr CHF 3.20, der Nettobetrag wird CHF 96.80.

4

Auszahlung auf das Bankkonto

Nach der Abrechnungsfrist (Rolling Basis: 2–7 Tage bei Stripe, sofort oder 1–3 Tage bei PayPal, T+1 bei Twint) überweist der Abwickler den aggregierten Nettobetrag auf Ihr Schweizer Bankkonto.

5

Bankabstimmung

Die Bankbewegung entspricht der Nettosumme mehrerer Transaktionen. Sie muss mit den einzelnen Rechnungen/Bestellungen und den jeweiligen Gebühren abgestimmt werden, um den Buchungskreislauf korrekt abzuschliessen.

Verbuchung von Gebühren und Auszahlungen

Jeder Abwickler hat eine unterschiedliche Gebührenstruktur und erfordert einen spezifischen Buchungsansatz. Best Practice ist, immer den Bruttoertrag zu erfassen und die Gebühr als separaten Aufwand zu buchen:

AbwicklerGebührenstrukturBuchungsmethodeEmpfohlene Konten
Stripe2,9 % + CHF 0.30/Trx (EU-Karte); 3,25 % + CHF 0.30 (Nicht-EU-Karte); Zuschlag für WährungsumrechnungBrutto → Durchlaufkonto Stripe; Gebühr auf Aufwandkonto; Netto bei Auszahlung auf Bankkonto1101 Forderungen Stripe / 6841 Kartengebühren / 1020 Bank
PayPal2,99 % + CHF 0.55/Trx (Standard); 1,99 % + CHF 0.55 (erweiterter Plan); 1,5 % WährungsumrechnungBrutto → Durchlaufkonto PayPal; Gebühr auf Aufwandkonto; Netto bei Auszahlung oder PayPal-Guthaben1102 Forderungen PayPal / 6841 Kartengebühren / 1020 Bank
Twint1,3 % pro Transaktion (Händler); keine zusätzlichen FixkostenBrutto → Durchlaufkonto Twint; Gebühr auf Aufwandkonto; Netto T+1 auf Bankkonto1103 Forderungen Twint / 6842 Twint-Gebühren / 1020 Bank
PostFinance E-Paymentab 1,3 % (Twint via PF) bis 2,5 % (Visa/MC); monatliche Gebühr CHF 25–50Brutto → Durchlaufkonto PF; Gebühr + Monatsgebühr auf Aufwand; Netto auf PostFinance-Konto1104 Forderungen PostFinance / 6843 PF-Gebühren / 1010 PostFinance

Rückbuchungen, Reserven und Streitfälle

Rückbuchungen (Chargebacks) gehören zu den heikelsten Aspekten der Buchhaltung von Zahlungsabwicklern. So gehen Sie korrekt damit um:

Erfassung der Rückbuchung

Wenn ein Kunde eine Zahlung anfechtet, storniert der Abwickler den Betrag von Ihrem Guthaben. Buchhalterisch muss der bereits erfasste Ertrag storniert werden: Belastung Verkaufsertrag, Gutschrift Durchlaufkonto Abwickler. Erfolgt die Rückbuchung in einem späteren Geschäftsjahr, ist sie als ausserordentlicher Aufwand zu behandeln.

Streitfallgebühren

Stripe berechnet CHF 15.00 pro Rückbuchung, PayPal bis zu CHF 20.00. Diese Gebühr ist als zusätzlicher Aufwand zu erfassen (6844 Streitfallkosten), auch wenn Sie den Streitfall gewinnen — sie wird oft nicht erstattet.

Abwickler-Reserven (Rolling Reserve)

Manche Abwickler behalten einen Prozentsatz der Einnahmen (5–10 %) als Reserve für künftige Rückbuchungen ein, insbesondere bei neuen oder risikoreichen Händlern. Die Reserve ist als langfristige Forderung zu buchen (1105 Reserven beim Abwickler) und bei Freigabe aufzulösen.

Zeitpunkt und Periodenabgrenzung

Eine Rückbuchung kann bis zu 120 Tage nach der ursprünglichen Zahlung eintreffen. Um das Periodenprinzip einzuhalten, erwägen Sie die Bildung einer Rückstellung für erwartete Rückbuchungen auf Basis historischer Daten (z. B. 0,5–1 % des Kartenumsatzes).

Achtung: Rückbuchungen wirken sich sowohl auf die Erfolgsrechnung (Ertragsstorno + Gebühr) als auch auf die Liquidität aus (die Gelder werden sofort vom Abwickler einbehalten). Überwachen Sie die Rückbuchungsquote — liegt sie über 1 % des Transaktionsvolumens, kann der Abwickler zusätzliche Strafen verhängen oder den Vertrag kündigen.

Mehrwährungszahlungen und Umrechnungen

Wenn Sie an internationale Kunden verkaufen, erhalten Sie Zahlungen in EUR, USD oder anderen Währungen. So handhaben Sie die Umrechnungen in der Schweizer Buchhaltung:

Transaktionswährung vs. Auszahlungswährung

Der Kunde zahlt in EUR, aber Stripe schreibt in CHF gut. Der vom Abwickler angewandte Wechselkurs stimmt fast nie mit dem offiziellen ESTV-Kurs überein. Die Differenz muss als Kursdifferenz erfasst werden (Konto 6960 Kursdifferenzen).

Wechselkurs am Buchungsdatum

Gemäss OR ist der Ertrag zum Wechselkurs am Transaktionsdatum zu erfassen (oder zum von der ESTV akzeptierten monatlichen Durchschnittskurs). Erfolgt die Auszahlung Tage später zu einem anderen Kurs, entsteht ein Kursgewinn oder -verlust.

Mehrwährungskonto Stripe/PayPal

Stripe und PayPal erlauben es, Guthaben in mehreren Währungen zu halten und den Zeitpunkt der Umrechnung zu wählen. Wenn Sie ein EUR-Guthaben halten, muss das Durchlaufkonto in EUR geführt und am Monats-/Jahresende zum Schlusskurs bewertet werden.

Währungsumrechnungsgebühren

Stripe erhebt einen Zuschlag von 1–2 % auf den Interbankenkurs für die automatische Umrechnung. PayPal erhebt 3–4 % über dem EZB-Kurs. Diese zusätzlichen Gebühren sind als separater Finanzaufwand zu buchen (6961 Währungsumrechnungskosten).

Jahresabschlussbewertung

Fremdwährungsguthaben bei Abwicklern (Forderungen Stripe EUR, Guthaben PayPal USD) müssen am 31. Dezember zum Schlusskurs bewertet werden. Die resultierenden Kursdifferenzen sind in der Erfolgsrechnung als Kursgewinne oder -verluste zu erfassen.

MWST-Behandlung der Gebühren

Die MWST-Behandlung der Gebühren von Zahlungsabwicklern in der Schweiz erfordert besondere Aufmerksamkeit:

Befreiung Art. 21 MWSTG

Gebühren für Zahlungsdienstleistungen gelten als von der Steuer ausgenommene Finanzdienstleistungen gemäss Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 MWSTG. Die Gebühren von Stripe, PayPal und Twint enthalten keine Schweizer MWST und berechtigen nicht zum Vorsteuerabzug.

Bezugsteuer (Reverse Charge)

Ist der Abwickler im Ausland ansässig (Stripe in Irland, PayPal in Luxemburg), unterliegen die Gebühren der Bezugsteuer (Art. 45 Abs. 1 Bst. a MWSTG), wenn die ausländischen Dienstleistungen insgesamt CHF 10'000 jährlich übersteigen. Da es sich jedoch um ausgenommene Finanzdienstleistungen handelt, ist die Bezugsteuer nicht geschuldet.

Schweizer Abwickler (Twint, PostFinance)

Die Twint AG und die PostFinance AG haben ihren Sitz in der Schweiz. Ihre Gebühren sind von der MWST ausgenommene Finanzdienstleistungen gemäss Art. 21 MWSTG. Es wird keine MWST erhoben, kein Vorsteuerabzug ist möglich.

MWST auf den zugrunde liegenden Verkauf

Die Gebühr des Abwicklers beeinflusst nicht die dem Kunden zu berechnende MWST. Wenn Sie ein Produkt für CHF 100.00 + 8,1 % MWST verkaufen, beträgt der Bruttoertrag inkl. MWST CHF 108.10 unabhängig von der einbehaltenen Gebühr. Die MWST ist auf den Bruttobetrag des Verkaufs zu berechnen und zu deklarieren.

Hinweis: Da die Gebühren der Abwickler von der MWST ausgenommen sind, erleiden Unternehmen, die ausschliesslich steuerbare Leistungen erbringen, keine Kürzung des Vorsteuerabzugs (Art. 30 MWSTG). Anders sieht es bei einem Mix aus steuerbaren und ausgenommenen Leistungen aus.

Schritt-für-Schritt-Abstimmung mit AccountEX

Die Abstimmung zwischen dem Abwickler-Auszug und der Bankbewegung ist der kritischste Schritt. Hier der 6-Schritte-Workflow, den wir in AccountEX empfehlen:

1

Abwickler-Transaktionen importieren

Verbinden Sie Stripe, PayPal oder Twint per API mit AccountEX. Die einzelnen Transaktionen (Verkäufe, Rückerstattungen, Gebühren) werden automatisch mit allen Details importiert: Bruttobetrag, Gebühr, Netto, Währung, Datum.

2

Bruttoertrag + Gebühr erfassen

Für jede Transaktion erfasst AccountEX automatisch den Bruttoertrag auf dem Verkaufskonto, die Gebühr auf dem Aufwandkonto und die Nettoforderung auf dem Durchlaufkonto des Abwicklers (z. B. 1101 Forderungen Stripe).

3

Bankbewegungen importieren

Importieren Sie den Kontoauszug via CAMT.053 oder Direktverbindung. Die aggregierten Auszahlungen des Abwicklers erscheinen als einzelne Bewegungen auf dem Bankkonto.

4

Auszahlung ↔ Transaktionen abgleichen

AccountEX gleicht die Bankauszahlung automatisch mit der Summe der Nettotransaktionen des entsprechenden Zeitraums ab. Bei Abweichungen (z. B. Rückbuchung, Reserven) hebt das System die Differenz hervor.

5

Ausnahmen behandeln

Rückbuchungen, Teilrückerstattungen, manuelle Anpassungen und Kursdifferenzen werden zur Überprüfung markiert. Ein Klick zum Bestätigen oder Korrigieren der vorgeschlagenen Buchung.

6

Periode abschliessen

Sobald alle Transaktionen abgestimmt sind, muss der Saldo des Durchlaufkontos des Abwicklers null sein (oder den noch nicht ausgezahlten Transaktionen entsprechen). AccountEX zeigt einen Abstimmungsbericht mit dem Status jeder Transaktion an.

7 praktische Tipps für die Buchhaltung digitaler Zahlungen

  • Erstellen Sie ein separates Durchlaufkonto für jeden Abwickler (Stripe, PayPal, Twint, PostFinance). Das Vermischen von Salden macht die Abstimmung unmöglich und verbirgt Abweichungen
  • Erfassen Sie den Ertrag immer brutto und die Gebühr als separaten Aufwand — buchen Sie nie den Nettobetrag auf dem Bankkonto direkt als Ertrag, da dies den Umsatz unterschätzt und die tatsächlichen Kosten verbirgt
  • Stimmen Sie die Auszahlungen wöchentlich ab, nicht am Monatsende. Abwickler bündeln Transaktionen, und eine verzögerte Abstimmung häuft schwer lösbare Ausnahmen an
  • Laden Sie monatlich die detaillierten Berichte jedes Abwicklers herunter und archivieren Sie diese (Stripe Balance Report, PayPal Activity Report). Sie sind Buchhaltungsbelege, die gemäss GeBüV 10 Jahre aufzubewahren sind
  • Wenn Sie in mehreren Währungen operieren, erwägen Sie ein EUR-Bankkonto für den Empfang von Stripe-Auszahlungen in EUR ohne Umrechnung — Sie sparen die Wechselgebühren des Abwicklers (1–2 %)
  • Überwachen Sie die Rückbuchungsquote: Visa und Mastercard sanktionieren Händler über 1 %. Bilden Sie eine Rückstellung auf Basis historischer Daten (typischerweise 0,3–0,8 % des Kartenumsatzes)
  • Nutzen Sie AccountEX, um Stripe und PayPal automatisch per API zu verbinden, Transaktionen mit separaten Gebühren zu importieren und Auszahlungen mit einem Klick abzustimmen — das spart jeden Monat Stunden manueller Arbeit

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