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Revenue-based financing für KMU: Vertragsstruktur, Auswirkungen auf Liquidität und buchhalterische Erfassung in der Schweiz

Wie umsatzbasierte Finanzierung funktioniert, welche Klauseln im Vertrag auszuhandeln sind und wie sie gemäss den schweizerischen Vorschriften korrekt in der Buchhaltung erfasst wird.

Warum revenue-based financing für Schweizer KMU interessant ist

Revenue-based financing (RBF) ist eine alternative Finanzierungsform, bei der ein Investor oder Finanzier Kapital an das Unternehmen leistet und es über einen variablen Anteil am Umsatz zurückfordert, bis ein vereinbarter Betrag erreicht ist (typischerweise ein Vielfaches der ursprünglichen Investition). Im Gegensatz zu klassischem Bankkredit sieht es in der Regel weder Real-sicherheiten noch feste Zinsen vor; im Gegensatz zu Eigenkapital führt es normalerweise weder zu Anteilsabgabe noch zu Stimmrechten.

In der Schweiz ist RBF nicht durch ein Spezialgesetz geregelt: Es fällt unter das ordentliche Vertragsrecht (Obligationenrecht) und stellt einen atypischen Vertrag oder eine Mischung vertraglicher Elemente dar (Finanzierung, Ergebnisbeteiligung, gegebenenfalls Wandlungsoption). Es ist besonders relevant für KMU mit wiederkehrenden und planbaren Umsätzen — SaaS, E-Commerce, B2B-Dienstleistungen mit mehrjährigen Verträgen —, die Liquidität für das Wachstum benötigen, ohne das Aktienkapital zu verwässern oder die Starrheit eines klassischen Bankdarlehens in Kauf zu nehmen.

Dieser Leitfaden analysiert die typische Vertragsstruktur, die Auswirkungen auf die Liquidität und die buchhalterische Erfassung gemäss den schweizerischen Vorschriften (GAAP/FER) mit praktischen Hinweisen für Unternehmer und Treuhänder, die Tools wie Accountex für das Finanzmonitoring nutzen.

RBF im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen

Bevor ein RBF-Vertrag unterzeichnet wird, lohnt sich ein Vergleich mit den gängigsten Alternativen unter Schweizer KMU:

Kriterium Revenue-based financing Bankdarlehen Equity / Investoren
Rechtsgrundlage Atypischer Vertrag (OR) — ausgehandelte Klauseln Darlehensvertrag (Art. 312 ff. OR) Kapitalerhöhung / Anteilsabgabe (Art. 781 OR für GmbH; Art. 651 ff. OR für AG)
Rückzahlung Variabler Umsatzanteil (z. B. 3–8 %) bis zur Obergrenze Feste Raten (Kapital + Zinsen), unabhängig vom Umsatz Keine verpflichtende Rückzahlung — Exit oder Dividenden
Verwässerung In der Regel keine (ausser Wandlungsklausel) Keine Abgabe von Gesellschafts- oder Aktienanteilen
Sicherheiten In der Regel ohne Hypothek oder Pfand — Risiko beim Finanzier Häufig persönliche oder dingliche Sicherheiten Keine Rückzahlungsgarantie
Liquiditätsauswirkung Ausgaben proportional zum Umsatz — flexibel bei Umsatzrückgang Feste Ausgaben — Insolvenzrisiko bei Umsatzrückgang Keine geplante Rückzahlung
Buchhaltung Finanzielle Verbindlichkeit oder hybrides Instrument — mit dem Treuhänder zu klären Finanzverbindlichkeiten (Passiva) Eigenkapital / Reserven
Effektive Kosten Variabel — abhängig von Umsatz und vereinbartem Vielfachen Fester Zinssatz + Gebühren Verwässerung und Renditeerwartungen des Investors
Eignung KMU mit wiederkehrenden Umsätzen und stabilen Margen KMU mit Kredithistorie und Sicherheiten Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial

Vertragsstruktur: wesentliche Klauseln

Ein sorgfältig ausgearbeiteter RBF-Vertrag muss die Variablen präzise definieren, die Auszahlung, Rückzahlung und Pflichten der Parteien bestimmen. Mangels spezifischer Vorschriften hat jede Klausel rechtliche und buchhalterische Bedeutung.

Betrag und Auszahlungsmodalitäten

Die anfängliche Investition (Advance) wird in CHF vereinbart und kann einmalig oder in Tranchen ausbezahlt werden, abhängig vom Erreichen von Umsatz- oder Wachstumsmeilensteinen. Der Vertrag muss das Auszahlungsdatum, das Zielbankkonto und die aufschiebenden Bedingungen angeben.

Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) prüfen, ob die Transaktion in die Zuständigkeit der Geschäftsleitung fällt und ob statutarische Klauseln die Übernahme wesentlicher Verbindlichkeiten ohne Generalversammlungsbeschluss einschränken.

Revenue share und Rückzahlungsobergrenze

Die zentrale Klausel legt den für die Rückzahlung vorgesehenen Umsatzprozentsatz (Revenue Share), die Berechnungsperiode (monatlich oder quartalsweise) und den maximal zurückzuzahlenden Betrag (Cap, typischerweise 1,3×–2,5× der Investition) fest. Präzise definieren, was unter «Umsatz» fällt: nur operative Erträge, exkl. MwSt., Ausschluss ausserordentlicher Erträge, Erträge aus Subunternehmerverträgen oder ausländischen Tochtergesellschaften.

Eine Klausel über eine Mindestzahlung (Floor) nur vorsehen, wenn das KMU über ausreichende Margen verfügt: Bei niedrigem Umsatz kann ein fester Mindestbetrag die Liquidität gefährden und den Vertrag einem Darlehen annähern.

Laufzeit, Exit und Wandlungsklauseln

Der Vertrag legt eine maximale Laufzeit (Term) fest, innerhalb derer die Obergrenze erreicht werden muss. Bleiben am Ende Restbeträge offen, variieren die Gepflogenheiten: automatische Verlängerung, Zahlung des Saldos oder Wandlung in Equity mittels Wandlungsklausel (Convertible Revenue Share).

Bei Wandlung die Auswirkungen auf das Handelsregister prüfen (Kapitalerhöhung mit öffentlicher Beschlussfassung für GmbH gemäss Art. 781 OR, Vinkulierungsklausel) sowie die Schriftform für die Anteilsabgabe (Art. 785 OR).

Reporting, Audit und Default-Klauseln

Der Finanzier verlangt in der Regel periodischen Zugang zu Buchhaltungsdaten: monatlicher Umsatz, Kontoauszug, Saldenliste. Häufigkeit, Format und Fristen für die Übermittlung definieren. Default-Klauseln (Zahlungsverzug, falsche Angaben, Verlust wichtiger Kunden) lösen beschleunigte Rechte aus: sofortige Rückzahlung des verbleibenden Caps oder Vertragsstrafen.

Auf Change-of-Control-Klauseln achten: Bei Fusion, Übernahme oder Verkauf des Unternehmens kann der Finanzier die vollständige vorzeitige Rückzahlung verlangen.

Auswirkungen auf Liquidität und Finanzplanung

Der Hauptvorteil von RBF liegt in der Flexibilität der Rückzahlung: Steigt der Umsatz, steigen die Zahlungen und der Finanzier erhält sein Kapital schneller zurück; sinkt der Umsatz, reduzieren sich die Ausgaben und die operative Liquidität bleibt erhalten. Dieser Mechanismus eignet sich für KMU mit ausgeprägter Saisonalität oder langen Investitionszyklen.

In Phasen starken Wachstums kann der Umsatzanteil jedoch den verfügbaren Cashflow erheblich schmälern. Ein KMU mit einem Revenue Share von 6 % auf einem Jahresumsatz von CHF 2 Millionen zahlt CHF 120'000 pro Jahr an den Finanzier — ein Betrag, der in den Liquiditätsplan und in die Berechnung des Nettofinanzierungsbedarfs einzubeziehen ist.

Vereinfachtes Zahlenbeispiel

Position Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3
Erhaltene Investition CHF 200'000
Jahresumsatz CHF 800'000 CHF 1'200'000 CHF 1'500'000
Revenue Share (5 %) CHF 40'000 CHF 60'000 CHF 75'000
Rückzahlungsobergrenze (1,8×) CHF 360'000 total — Restsaldo nach Jahr 3: CHF 185'000

Das Verhältnis zwischen Revenue Share und operativem Bruttogewinn (EBITDA) monatlich überwachen. Übersteigt der Anteil 15–20 % des EBITDA, riskiert RBF, die Reinvestitionsfähigkeit übermässig einzuschränken. Liquiditätstools wie die in Accountex integrierten ermöglichen die Simulation von Umsatzszenarien und die Berechnung der Auswirkungen auf den Kassenbestand.

Buchhalterische Erfassung gemäss GAAP/FER

In der Schweiz existiert keine spezifische Rechnungslegungsnorm für RBF. Die Erfassung folgt den allgemeinen Grundsätzen des Obligationenrechts (Art. 957 ff. OR) und, für KMU, die professionellen Normen Swiss GAAP FER. Die Klassifikation hängt von der wirtschaftlichen Substanz des Vertrags ab.

1. Entgegennahme der Finanzierung

Bei Auszahlung den Zufluss als Gutschrift einer finanziellen Verbindlichkeit erfassen:

  • Soll: 1020 Bank — CHF 200'000
  • Haben: 2400 Finanzverbindlichkeiten gegenüber Dritten (RBF) — CHF 200'000

Sieht der Vertrag eine Rückzahlungsobergrenze über der Investition vor (z. B. CHF 360'000), entspricht die anfängliche Verbindlichkeit dem erhaltenen Kapital. Der künftige Überschuss (CHF 160'000) stellt Finanzaufwand dar, der sich mit den Zahlungen schrittweise manifestiert.

2. Periodische Zahlungen (Revenue Share)

Jedes Quartal oder jeden Monat die Zahlung zwischen Kapitalrückzahlung und Finanzaufwand aufteilen:

  • Soll: 2400 Finanzverbindlichkeiten — Kapitalanteil
  • Soll: 6900 Zinsaufwand / Finanzaufwand — impliziter Zinsanteil
  • Haben: 1020 Bank — insgesamt gezahlter Betrag

Die Aufteilung kann auf der Methode des effektiven Zinssatzes (EIR) basieren: Es wird der Zinssatz berechnet, der die erwarteten künftigen Zahlungsströme (Revenue Share) dem Barwert der Verbindlichkeit gleichsetzt. Alternativ kann bei einfachen Verträgen proportional zwischen Kapital und Finanzaufwand bis zum Erreichen der Obergrenze aufgeteilt werden.

3. Alternative Erfassung: hybride Instrumente

Enthält der Vertrag eine verpflichtende oder fakultative Wandlungsklausel in Equity, kann die Verbindlichkeit als komplexes Finanzinstrument klassifiziert werden. In diesem Fall den Treuhänder konsultieren, um die Trennung zwischen Schuldkomponente und Derivatkomponente (Wandlungsoption) gemäss Swiss GAAP FER 27 (derivative Finanzinstrumente) und FER 24 (Eigenkapital) zu prüfen.

Element Typisches Konto (KMU) Bilanz / Erfolgsrechnung
Anfängliche Auszahlung 1020 / 2400 Erhöhung der Liquidität und finanzieller Verbindlichkeiten
Kapitalanteil in Zahlungen 2400 / 1020 Reduktion finanzieller Verbindlichkeiten
Impliziter Zinsanteil 6900 / 1020 Finanzaufwand in der Erfolgsrechnung
Wandlung in Equity 2400 / 2800 Aktienkapital + Agio-Rücklage Verbindlichkeit → Eigenkapital

Steuerliche Aspekte und Ausweis im Jahresabschluss

Zahlungen an den RBF-Finanzier sind nicht vollständig als Zinsaufwand abzugsfähig. Der buchhalterisch als Finanzaufwand (implizite Zinsen) erfasste Anteil ist in der Regel auf Bundesebene sowie auf kantonaler und kommunaler Ebene für die Gewinnsteuer abzugsfähig, analog zu Bankzinsen. Der Kapitalanteil ist nicht abzugsfähig, da er eine Schuldentilgung darstellt. Ist der Finanzier ein Gesellschafter oder eine nahestehende Partei, mit dem Treuhänder die Anwendung der ESTV-Kreisschreiben zu Safe-Harbour-Zinssätzen und Thin Capitalisation prüfen.

Im Jahresabschluss ist die RBF-Verbindlichkeit je nach vertraglicher Fälligkeit unter kurz- oder langfristigen Finanzverbindlichkeiten auszuweisen. Ist der verbleibende Cap innerhalb von 12 Monaten fällig, als kurzfristige Verbindlichkeit klassifizieren; andernfalls zwischen kurzfristig und langfristig aufteilen. In der Bilanznote die Existenz des Vertrags, den Restbetrag und die wesentlichen Bedingungen (Revenue Share, Cap) gemäss Art. 959b OR und Swiss GAAP FER 3 (Grundsätze der Darstellung) angeben.

Bei Gesellschaften mit ordentlicher Revision gemäss Art. 727 OR prüft der Revisor die korrekte Klassifikation und die Aufteilung Kapital/Zinsen. Die Dokumentation des Vertrags und der Aufteilungsberechnungen erleichtert die Arbeit des Treuhänders und reduziert das Risiko von Berichtigungen bei der Jahresabschlusserstellung.

Operative Checkliste für Unternehmer und Treuhänder

1

Gesamte effektive Kosten analysieren (Cap / Investition)

Ein Cap von 1,8× auf CHF 200'000 bedeutet Kosten von CHF 160'000. Mit dem Zinssatz eines gleichwertigen Bankdarlehens und den Auswirkungen der Equity-Verwässerung vergleichen.

2

Umsatzberechnungsgrundlage präzise definieren

MwSt., ausserordentliche Erträge und konzerninterne Verkäufe ausschliessen. Die Definition mit Konto 3200 «Erlös aus Warenverkauf» in der Buchhaltung abstimmen.

3

Revenue Share in den Liquiditätsplan integrieren

Eine wiederkehrende Ausgabenposition proportional zum erwarteten Umsatz anlegen. Monatlich mit den tatsächlichen Daten aus der Buchhaltung aktualisieren.

4

Buchhaltungserfassungen in Accountex konfigurieren

Dedizierte Konten einrichten (2400 RBF, 6900 Finanzaufwand RBF) und bei Bedarf eine wiederkehrende Vorlagenbuchung für die quartalsweise Aufteilung.

5

Default- und Change-of-Control-Klauseln prüfen

Vor der Unterzeichnung die Auswirkungen einer beschleunigten Rückzahlung auf Liquidität und Verschuldungsgrad simulieren.

6

Aufteilung Kapital/Zinsen für den Jahresabschluss dokumentieren

EIR-Berechnung oder Tilgungstabelle für die Jahresabschlusserstellung und die allfällige Revision aufbewahren.

Fazit: flexibles Instrument, aber sorgfältig einzuordnen

Revenue-based financing bietet Schweizer KMU eine konkrete Alternative zu klassischer Verschuldung und Kapitalverwässerung, insbesondere bei Geschäftsmodellen mit wiederkehrenden Umsätzen. Die Flexibilität der umsatzgebundenen Rückzahlung ist seine Stärke, doch die effektiven Kosten können in Szenarien mit schnellem Wachstum die eines Bankdarlehens übersteigen.

Buchhalterisch wird RBF als finanzielle Verbindlichkeit mit schrittweiser Aufteilung zwischen Kapitalrückzahlung und Finanzaufwand erfasst. Das Fehlen spezifischer Vorschriften erfordert eine Fall-für-Fall-Analyse mit dem Treuhänder, der die wirtschaftliche Substanz des Vertrags und die korrekte Bilanzdarstellung beurteilt. Eine geordnete Verwaltung der Buchungen und des Liquiditätsmonitorings — mit Tools wie Accountex — ermöglicht es, die Vorteile von RBF zu nutzen und gleichzeitig Kontrolle über Liquidität, Kosten und regulatorische Konformität zu behalten.

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